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1. Die verspielte Zukunft
2. Wandel und Wiederkehr
 

1. Die verspielte ZukunftEin Wissenschaftler schlägt Alarm:
Ist die pharmazeutische Großindustrie
flexibel genug für neue wissen-
schaftliche Ideen?
Was bedeuten Arzneimittel für die Medizin?

Wer über die technischen Gegebenheiten unseres Daseins am Ausgang
des 20. Jahrhunderts nachdenkt, kommt nicht an der Einsicht vorbei,
daß Arzneimittel darin eine ebenso integrale und wichtige Rolle spielen
wie andere zivilisatorische Errungenschaften: Flugzeuge, Autos und
andere Transportmittel zum Beispiel, oder wie Radio, Fernsehen,
Zeitungen, kurz die Medien der Kommunikation, die uns von früh bis spät
durch den Tag begleiten. Bereits im Alltag reagieren viele Menschen
auf Schwankungen ihres Befindens mit der Einnahme von Tabletten.
Die Tablette gegen Kopfschmerzen, gegen Zahnweh, die Schlaf- und
Beruhigungstablette, fiebersenkende, hustenstillende und schleimhaut-
abschwellende Mittel bei Erkältungskrankheiten, Medikamente zur
Dämpfung des Hungergefühls, abführende oder stopfende Arzneimittel,
Mittel zur Behandlung des Sodbrennens, Medikamente zur Hemmung
von Brechreiz: die Liste der zur Korrektur von Alltagsbeschwerden
eingesetzten Arzneimittel ließe sich seitenlang fortsetzen. Dabei be-
schriebe sie nur die eine, die trivialere Seite des Gebrauches von Arznei-
mitteln. In der Hand des Arztes sind Medikamente unerläßliche Waffen
in der Auseinandersetzung mit vielen ernsten Krankheiten. Dort haben
Medikamente oft lebensrettende, zumindest aber lebensverlängernde
Wirkungen. Von diesen Wirkungen wird im weiteren Verlauf des Buches
ausführlicher die Rede sein.
Trotz dieser zentralen Rolle, die Arzneimittel in der heutigen Medizin und
in unserer Zivilisation spielen, wissen nur wenige Menschen, woher
unsere Arzneistoffe kommen, wie man heute unter industriellen Bedin-
gungen nach ihnen sucht und wie neue Stoffe entwickelt werden. Auch
haben die meisten Menschen nur vage Vorstellungen von den Kriterien
der Wirksamkeit und Sicherheit, an denen moderne Medikamente
gemessen werden, und sie wissen kaum etwas über die Forschung,
der wir die Existenz unseres modernen Arzneimittelschatzes verdanken.
Diesem Mangel an Wissen und einem weitverbreiteten, sich daraus
ergebenden Unverständnis für die gesellschaftliche Rolle der
forschenden pharmazeutischen Industrie und anderer Instanzen, die an
der Bereitstellung neuer Arzneimittel beteiligt sind, soll dieses Buch
abhelfen.



Die verspielte Zukunft:
Wohin geht die
Arzneimittelforschung?
Birkhäuser, 1998
ISBN 3-7643-5841-6
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